20. NOVEMBER 2020 | POSTED BY STEFAN RÜEDI | Lesezeit ca. 15min.

FOTOGRAFIE für Einsteiger Teil 2


WOMIT.

Ciao, Grüezi, Hoi und Allegra zum zweiten Teil des Themas - Einsteiger.

 

Wenn du alle Fragen über das "wohin" beantwortet hast, kannst du dir einen Überblick über das "womit" verschaffen, respektive, was dir die Technik zu deinem fotografischen Werdegang bietet. Ein Einsteigerkameraset mit einem günstig gehaltenen Kit-Objektiv kann reichen, muss aber nicht – je nach deinem individuellen Ziel, dass du dir gesetzt hast. Wer nur das Handy ersetzen will, aber sich nicht weiter mit der Materie befassen möchte, ist mit einer Einsteigerkamera bedient. Wer sich das Ziel gesetzt hat, mehr aus sich und der Kamera herausholen zu wollen, wird definitiv nicht glücklich mit einem Einsteigerset, da dieses nach geraumer Zeit, ob kurz oder kürzer :-), die Grenzen erreicht hat und man feststellen muss, dass die Technik nicht weiter Schritt hält mit dem eigenen Voranschreiten des Könnens und der damit verbundenen Ansprüche – und dann kaufst du zwei- oder gar dreimal. Schade um dein Geld – lass dich analysieren, lass dich coachen und sehr gut beraten auf deinem Weg.

 

Du benötigst zu Beginn die Kamera mit der du dich wohlfühlst, du intuitiv arbeiten kannst, sei es in der Bedienung (Menüführung/Menüstruktur), der Haptik und den technischen Möglichkeiten, die, wie erwähnt, dem Ergebnis deiner Bedürfnisanalyse entsprechen sollen. 

 

Apropos Kamera - weisst du woher dieses Wort stammt? Es stammt von dem lateinischen "camera obscura" und heisst soviel wie dunkler Raum (die Dunkelkammer von früher zur Entwicklung von fotografischen Medien).


 

Du brauchst nicht diejenige mit dem bestklingendstem Namen oder weil Opa schon mit dieser oder jener Marke fotografiert hat. Du benötigst auch keine Kamera, die nicht das bietet, was DU brauchst dafür aber einen hohen vierstelligen Betrag kostet. Nein - du brauchst das, was zu dir passt. Dazu ein passendes Objektiv, dass es dir erlaubt kreativ zu sein, deine Erwartungen erfüllt und eine Fototasche. Das Objektiv soll zu dir und deinem Stil passen und dich möglichst lange begleiten. Ich rate dir, keinen "Flaschenboden" oder eine "Scherbe" zu kaufen. Damit würdest du zu schnell unzufrieden sein und allgemein deine Motivation oder Freude an der Fotografie verlieren. Ist wie eine High-End Stereoanlage mit mickrigen Lautsprechern dran - das Ding könnte richtig was aber die Lautsprecher verderben das Hörerlebnis total. Du würdest enttäuscht sein und das Radio abstellen und dich darüber ärgern soviel Geld für sowenig klanglichen Genuss ausgegeben zu haben.

 

Bedenke: zu Beginn, ist weniger mehr. Zuviel Equipment wird dich am Anfang bremsen und dich eher belasten als beflügeln. 

Und genau das stelle ich noch recht viel bei meiner Kundschaft fest. Irgendwie hat man sich nie oder nur ganz selten Gedanken gemacht, wo man hin möchte, was man fotografieren möchte, für welches Thema in der Fotografie das Herz brennt und man Leidenschaft mitbringt. Man kauft einfach alles, was einem in die Finger kommt. Eine Verzettelung ist vorprogrammiert und auch eine Anhäufung an Technik und damit verbunden ein unschönes Loch im Budget, dass unter Umständen bedenklich gross sein kann. Das Resultat ist ganz böse gesagt Ausschuss, eine Ansammlung von unbenutzten Gegenständen, überflüssigem Krimskrams und irgendwann stellt sich eine Unzufriedenheit mit einer demotivierenden Haltung gegenüber der Fotografie ein. Man verliert die Lust zu fotografieren und stellt alles in die Ecke.

Ich rate dir deshalb, dich mit dir und deiner Leidenschaft auseinander zu setzen. Sonst kaufst du zwei oder dreimal. Selbst wenn Geld keine Rolle spielt, ist dieser Umstand unbefriedigend.

Das Pferd wird von der falschen Seite aufgezäumt. Zuerst alles zusammenkaufen, was teilweise sogar wenig Sinn ergibt und dann erst darüber nachdenken was man eigentlich fotografieren möchte, respektive ergründen für was die Leidenschaft brennt. Glaube mir - diese Herangehensweise ist nicht zielführend. Nicht zufriedenstellend ist manchmal, nicht immer, die Beratung bei einem Discounter. Viele Verkäufer möchten nicht das Beste für dich - sondern einen Verkauf abschliessen. Hier kann ich dich nach einer persönlichen Analyse, wie oben beschrieben anschliessend als Shoppingbegleitung unterstützen. Ich verdiene nichts am Kauf oder Verkauf der Technik und mir ist es wichtig, dass du deine Marke findest, die deine Bedürfnisse abdeckt.


Was darf es denn nun werden? DSLR (digital single lens reflex) oder DSLM (digital single lens mirrorless) - also eine Spiegelreflex-Kamera oder eine spiegellose Systemkamera oder eine Bridgecam? Im Prinzip ist das egal - es muss für dich passen.

Nachfolgend gehe ich genauer auf die Systemkameras ein. Die spiegellose Kamera ist kompakter, moderner und bereits im Einsteigersegment einigermassen zügig in der Serienbildgeschwindigkeit - die Ergonomie, gerade für grössere Hände, ist bei der DSLR besser (man hat halt wirklich was in den Händen), hat eventuell einen etwas besseren Stromhaushalt, da der Sucher optisch ist und kein Monitor, wie bei der DSLM, ganz sicher aber ein über Jahrzehnte ausgereiftes System und einen besseren Sensorstaubschutz beim Objektivwechsel, da der Spiegel sich schützend vor dem Sensor befindet. Der optische Sucher der DSLR ist meist klarer aber zeigt nicht das Bild, welches abgespeichert wird (keine Beeinflussung durch Blenden- oder Verschlusszeiteinstellung). In der Dunkelheit wäre es dann vor Vorteil ein LCD Display mit der Funktion live-view zu haben, da der optische Sucher bei absoluter Dunkelheit kaum nutzbar ist. Der elektronische Sucher der DSLM zeigt schon vor dem Auslösen, wie das Bild abgespeichert wird und bildet auch Angaben wie z.B. ein live Histogramm (WYSIWYG – What You See Is What You Get!). Ein Nachteil der DSLM kann auch, je nach Objektiv, die Balance sein. Kleinerer Body mit einem stattlichen Objektiv bringt eine unausgewogene Balance mit sich, die bei der DSLR eher nicht auftritt, da der Body baulich bedingt grösser gehalten ist.

Wer jetzt den Einwand bringt, dass die DSLM in der Lage ist, die Auslösung absolut geräuschlos zu vollziehen, da diese keinen Spiegel hat und somit an Orten wo Stille gefragt ist, Vorteile hat, irrt. Dazu ist z.B. auch die Nikon D850 in der Lage. Kamera on - live-view on - i Button drücken - Menüpunkt SL Stille Live View Auslösung auf SL 1 aktivieren.

 

 

vs


Sensortechnisch sind meist die Gleichen verbaut, weshalb beide Systeme dieselben Bildqualitäten abliefern. Auch die Prozessoren werden mittlerweile in beiden Systemen die Selben verbaut. Genauso wie Fremdteile anderer namhafter Hersteller, sogar vom direkten Mitbewerber. Der Trend aller Hersteller zu den DSLM Modellen ist aber deutlich zu spüren respektive klar. Die Objektiv-, respektive Zubehörpalette zu den DSLM wird laufend grösser. Ein merklicher Unterschied, wird gemunkelt, sei beim Gewicht der Objektive festzustellen, doch auch der ist nicht so gravierend wie man annimmt, trotz der kompakten Bauweise der DSLM Objektive. Vergleichen wir folgende Vollformat Objektive für DSLM und DSLR Kameras und den ähnlichen Body:

  

DSLM 

Nikon Z7 mit Akku = 675 gr.

NIKKOR 14-24mm f2.8 S= 650 gr.

NIKKOR 24-70mm f2.8 S = 805 gr.

NIKKOR 70-200mm f2.8 S = 1440 gr.                                    3570 gr

 

 

DSLR

Nikon D850 mit Akku = 1005 gr.

NIKKOR 14-24mm f2.8= 1000 gr.

NIKKOR 24-70mm f2.8 = 1070 gr.

NIKKOR 70-200mm f2.8 = 1430 gr.                                       4505 gr.

 

Der Gewichtsunterschied einer Ausrüstung für die Landschaftsfotografie liegt, wie oben konfiguriert bei 935 gr. Ein Unterschied ist vorhanden, zeichnet sich aber bei Weitem nicht so deutlich ab wie erwartet. 

In der Bauweise und vor allem der Schärfe zeichnen sich die Objektive für die DSLM hingegen aus und legen noch eine ganze Schippe zu den bereits oben aufgeführten DSLR Objektiven drauf. Auch im Preis - da unterscheiden sich die Objektive deutlich. Ich habe wieder dieselben Objektive zum Vergleich herangezogen und die offiziellen Richtpreise, Stand 08.10.2020 von Nikon, aufgeführt. 

 

DSLM 

NIKKOR 14-24mm f2.8 S= 2999.- CHF

NIKKOR 24-70mm f2.8 S = 2799.- CHF

NIKKOR 70-200mm f2.8 S = 3199.- CHF                            8997.- CHF

 

DSLR

NIKKOR 14-24mm f2.8= 2099.- CHF

NIKKOR 24-70mm f2.8 = 2499.- CHF

NIKKOR 70-200mm f2.8 = 2899.- CHF                              7497.- CHF

 

Ich habe mich bewusst für die Vollformat Kameras und Objektive entschieden, das diese aufgrund der Grösse und Lichtstärke auch ein gewisses Gewicht mit sich bringen und ein Unterschied gerade in diesem Segment am deutlichsten hervortreten sollte.


Es gibt weitere Entscheidungen zu treffen. DSLM oder DSLR? Mit welchem System möchtest du deine fotografische Zukunft beschreiten? Darf es eine Kamera mit MFT, APS-C oder mit Vollformatsensor sein?

 

 

Vollformat - ein Marketingausdruck; seit jeher als Kleinbild bekannt (24mm x 36mm). Erst als Bezeichnung für die 35mm Filme (1893) genutzt und später in der Fotografie (ab 1913) verwendet.


 

Oder gar eine Kamera mit Mittelformat Sensor? Diese Entscheidung ist genauso wichtig, wie diejenige, ob du mit einer DSLM oder eine DSLR arbeiten möchtest. 

 

 

Bei der Sensorgrösse merkt man erhebliche Unterschiede im Preis und der Pixelanzahl. Entscheidend ist in welchem Bereich und welchem persönlichen Stil der Fotografie du arbeiten möchtest, respektive ob du wirklich Auflösung benötigst. Panorama's, HDR Aufnahmen oder beides zusammen für wirklich grosse Fotos (Abzüge). Die nachfolgende Grafik ist nicht abschliessend, sondern zeigt lediglich die gängigsten Sensorgrössen.

Bedenke; je mehr Pixel auf den Sensor gepackt werden, desto grösser ist auch die Datei, die bei einer Aufnahme entsteht. Diese Datenmenge muss verarbeitet und gespeichert werden können und bedingt sehr gute und schnelle Peripheriegeräte und damit steigen die Kosten erheblich. Die Bildqualität entsteht aber nicht nur durch die Megapixel sondern primär durch die Sensorgrösse.

 

Übrigens - Pixel - ein Modewort; zusammengesetzt aus "picture" und "element".


 

Eines kann ich dir bereits jetzt mit auf den Weg geben: Vollformatkameras sind schwer. Du solltest einen Einsatzbereich für eine solche Kamera haben, wo du die Vorteile dieser Kamera auch nutzen kannst. Sollten in deinem Budget nicht mehrere tausend CHF ausgewiesen werden, dann wird diese Anschaffung eine Herausforderung.


WELCHES OBJEKTIV FÜR WELCHEN EINSATZBEREICH?

Kommen wir zu den Objektiven. Da gibt es eine stattliche Anzahl im Segment der Flaschenböden (man verzeihe mir den Ausdruck) bis hin zu den sehr guten Objektiven im Mittelsegment und den wirklich teuren Monstergläsern. Und heute ist es Dank Adaptern möglich, Marken untereinander zu kombinieren oder Dank der Diversität auch etliche mittlerweile hervorragende Fremdobjektive von Drittherstellern zu nutzen. Welches Objektiv für welchen Zweck geeignet ist und zu dir passt, verrate ich dir gerne nach einer persönlichen, bedürfnisorientierten Analyse. Wir schauen zusammen deinen gewünschten Einsatzbereich an oder ermitteln erst diesen, falls du dir nicht sicher bist. Daraus ergeben sich anschliessend schon sehr viele Antworten und grenzen die Auswahl genauer ein. Passend zu deinem bevorzugten Kamerasystem und deinem Budget können wir nun gezielter auf die Suche gehen.

 

Was sagt uns kurz und knapp zusammengefasst die Wikipedia zum Thema Objektiv? "Ein Objektiv ist ein sammelndes optisches System, das eine reelle optische Abbildung eines Gegenstandes (Objektes) erzeugt. Das einfachste Objektiv ist eine einzelne Sammellinse, wie sie um 1608 die ersten Fernrohre hatten. Bestandteile eines Objektivs können jedoch sowohl Linsen als auch Spiegel oder (seltener) Beugungsgitter sein, die sich je nach Einsatzzweck in einem oder mehreren Tuben befinden, die innen geschwärzt und gerippt sind, um Streulicht zu reduzieren. Die Hauptmerkmale eines Objektivs sind dessen Brennweite, die für einen gegebenen Objektabstand den Abbildungsmassstab bestimmt, und die Apertur (freie Öffnung der Frontlinse)."

 

Soweit scheint jetzt klar WAS ein Objektiv ist und was es tut. Aber welches Objektiv wird jetzt für welchen Bereich in der Fotografie eingesetzt? Hierzu erst mal eine Grafik:

Aus meiner Grafik kannst du entnehmen, welche Brennweiten in was für Bereiche eingeteilt werden. Wenn du danach googelst, wirst du schnell herausfinden, dass es sehr viele Einteilungen, bzw. Beziehungstabellen im Netz zu finden gibt, die rein von den Angaben nicht deckungsgleich sind. Während die eine Tabelle festhält, dass der Super-Telebereich bei einer Brennweite von 260mm beginnt, ist einer anderen Auflistung zu entnehmen, dass der Super-Telebereich bei 500mm ihren Anfang findet - es gibt wahrscheinlich soviele Tabellen mit verschiedenen Aussagen zur Brennweiteneinteilung, wie es Hackbraten Rezepte gibt. Da die Brennweitenbereiche "verschwimmen" bzw. übereinander greifen, habe ich mir erlaubt die Grafik auch so darzustellen.

Einige Auflistungen halten fest, dass der Brennweitenbereich von 24mm bis 38mm in den Weitwinkelbereich eingegliedert wird und der Standard- oder Normalbereich die Brennweite 50mm betrifft. Da entsteht doch eine Lücke zwischen den Werten 38 und 50 .. nicht? Was ist denn dazwischen? Ist jetzt ein 40mm oder 45mm Objektiv eher beim Standard oder eher beim Weitwinkel einzureihen? Ich hoffe du verstehst meinen Gedankengang zum "verschwimmen" der Bereiche, da es einfach keine fixen Abgrenzungen gibt.

 

Ich schreibe immer von Brennweite - ja aber - was ist denn die Brennweite? Anhand einer einfachen Grafik versuche ich dir etwas in Erinnerung zu rufen. Hattest du als Kind vielleicht mal Opa's Lupe zur Hand? Hast du damit versucht, die Lichtwellen der Sonne zu bündeln und eine Zeitung in Brand zu setzen? Ja - dann ist bereits alles zur "Brenn-Weite" gesagt. Hast du dies in deiner Kindheit verpasst? - dann solltest du das nachholen :-)


Gibt es eine "Zuteilung" welches oder welche Objektiv(e) z.B. am Besten zur Landschaftsfotografie passt/en, zur Foodfotografie oder der Hochzeitsfotografie? 

Ich kann dir sagen, dass es keine fixen Zuteilungen gibt, aber gute Empfehlungen die auf gewissen Erfahrungswerten beruhen. Womit ich dich aber unterstützen kann, ist mit der Analyse zu den Fotobereichen und den daraus resultierenden Ergebnissen.

Nehmen wir zur Analyse das Beispiel der Hochzeitsfotografie - was fotografierst du am ehesten? Menschen .. genau - alleine oder zu zweit oder in Gruppen .. oder die Trauringe .. oder den Blumenschmuck .. oder oder. Die Mehrheit der erwähnten Motive verlangt eher, dass diese freigestellt werden, respektive sich vom Hintergrund abheben. Mehrheitlich addiert sich dazu, dass der Einsatzort sehr viel von eher schlechten Lichtverhältnissen umrahmt ist. Resultierend aus diesen Gegebenheiten ist ein lichtstarkes Objektiv mit einer grossen Offenblende das hier geeignet wäre  - vielleicht nicht der schlechteste Ansatz für weitere Gedanken zum Einsatzzweck. Jetzt kommt deine eigene Dynamik ins Spiel und deine Kreativität - bewegst du dich gerne oder stehst du lieber auf einer übersichtlichen Position? Bist du gerne mitten im Geschehen oder eher am Rande? Magst du es, viele Bilder von Einzelpersonen oder Kleingruppen auf deiner Speicherkarte mit nach Hause zu nehmen oder schiesst du lieber von den ganzen Szenen/Locations eher zusammenfassende Bilder? Oder beides? Bist du der Typ, der von Anfang bis Schluss bei der Party dabei ist oder beschränkst du dich lieber auf das Paarshooting bei den Vorbereitungen zur Hochzeit? Fragen über Fragen; aber es hilft dir ungemein, dich für DEIN oder DEINE Objektiv(e) zu entscheiden. Es gibt sehr viele Faktoren die den Objektiveinsatzbereich beeinflussen. So auch dein Stil und deine Dynamik. 

 

Mit den Antworten kannst du einige Brennweiten eher ausschliessen. Vor allem, wenn du mit dem Fotografieren anfängst und so locker und unbepackt, wie möglich, auftreten möchtest. Ein 300mm Objektiv wäre zu Beginn eher nicht die Linse der ersten Wahl - genauso wie ein 14mm Weitwinkelobjektiv. Ob du nun eher statisch arbeiten möchtest, vom Rande oder dynamisch dabei sein wirst, kannst nur du beantworten. Aus diesen Antworten erschliesst sich dann auch, ob eher Festbrennweiten oder Zoomobjektive zu dir für diesen Einsatzzweck passen. Auch deine Kreativität gibt weitere Aufschlüsse; das lasse ich mal so im Raume stehen.

Es gäbe noch zig Fragen zu stellen und man kann mit einer gezielten Bedürfnisanalyse jedes Genre durchgehen. Anschliessend noch eine Grafik zum besseren Verständnis, welches Objektiv oder besser, welche Brennweite, welchen Bildwinkel mit sich bringt. Möchtest du den Bildwinkel in Abhängigkeit zu deinem Kamerabody und deinem gewünschten Objektiv simulieren, klicke auf den folgenden Link. Du kannst dort deinen Kameratyp und dein Objektiv sowie Sensor (DX oder FX) eingeben und mit der Simulation loslegen:

Bildwinkel-Simulator

Nun sind wieder drei Begriffe gefallen - LichtstärkeZoomobjektiv und Festbrennweite. Möchtest du zu den Begriffen detailliertere Angaben erfahren -> klick. Ich kann dir dazu noch folgende Zusatzangaben mit auf den Weg geben: 

 

Die Lichtstärke gibt an, wie gross das maximale Öffnungsverhältnis zur Brennweite ist. Geschrieben wird das in Zahlen, wie f2.8 oder f1.2. Eigentlich ist diese Schreibweise nicht ganz richtig oder besser gesagt eher verwirrend, denn jeder Fotografieanfänger kommt erst mal durcheinander wenn die vermeintlich kleinere Zahl f2, angibt, dass diese die Blende öffnet, diese also grösser wird und die vermeintlich grössere Zahl f8, die Öffnung verkleinert. Eigentlich lautet die korrekte Schreibweise 1:2 und 1:8 - und? Jetzt sieht der mathematische Blick sofort, dass der Wert von eins-zu-zwei (eins dividiert durch zwei) grösser ist als ein-einachtel. :-) Somit bekommt alles wieder seine Logik bezüglich Zahlen und Öffnung - grosse Zahl, grosse Öffnung und umgekehrt.

 

Das Zoomobjektiv ist ein Objektiv, mit variabler Brennweite und einer variablen oder festen (durchgehenden)  Lichtstärke. Bei den eher günstigeren Zoomobjektiven, erreichen diese eine Lichtstärke von z.B. f3.5 im unteren Brennweitenbereich von z.B. 24mm und eine Lichtstärke von z.B. f6.3 im oberen Brennweitenbereich von z.B. 70mm. Die variable Lichtstärke macht die Fertigung und Produktion weniger aufwendig und ist somit bezahlbarer.

 

Die Festbrennweite oder das Objektiv mit einer festen Brennweite also keiner Variablen, ist meist günstiger zu entwickeln als ein Zoomobjektiv und kann im Gegensatz zu den Zoomobjektiven konstruktionsbedingt sehr viel lichtstärker ausgelegt werden. Der Preis einer Festbrennweite muss nicht immer günstiger ausfallen - es gibt auch wahnsinnig teure (und schwere) Festbrennweiten wie z.B. das 0,95 noct, das 200mm f2 oder das 300mm f2.8 von Nikon.

 

Es ist aber sicherlich kein MUSS, unbedingt eine Festbrennweite im Zubehör zu haben auch wenn dies sehr viele YouTuber oder Schreiber in den medialen Abhandlungen festhalten. Ich höre schon die Unkenrufe, den die Fan's der Festbrennweiten einbringen, dass diese schärfer oder "besser" wären und somit in jede Tasche gehören. Wenn man die vielen beweglichen Teile eines Zoom-Objektivs, die gängig sein müssen, betrachtet, kann man festhalten, dass diesbezüglich eine Festbrennweite von der mechanischen Seite keine störenden Einflüsse und somit Vorteile hat. Bei gleicher Lichtstärke erreichen jedoch beide, ob Zoom oder Fest, heutzutage vergleichbare Leistungen.

 

So - nun hätten wir den Kamera-Body und die Objektive besprochen. Was sicherlich unabhängig vom Genre dazugehört aber "genrepassend" sein sollte, ist ein Behältnis, um deine Kamera mit Objektiv "transportieren" zu können. Da gibt es zig Systeme, wie Umhängetaschen, Holster, Rucksäcke usw. Auch hier gilt: Lasse dich gut beraten und schaue dir, wenn immer möglich, die Produkte live an und probiere diese aus. Nur so investierst du einmal, für das was du dir vorstellst. Nebst Kamera, Objektiv und Tasche solltest du je nach Bereich, wo du dich entfalten möchtest auch an weiteres Zubehör denken, welches du später zulegen möchtest - Stativ, Blitz, Regenschutz usw. Auch hier - dein Stativ soll dich lange begleiten. Kaufe kein Bastelding, dass du mit dem Kauf eines neuen Objektivs schon wieder ersetzen musst, weil der Stativkopf das Gewicht nicht mehr zu halten vermag oder du feststellst, dass du ein Kleineres oder Grösseres für deine Art der Fotografie gebraucht hättest.

 

Zusammenfassend möchte ich festhalten; kaufe eine gute, dich lange begleitende Kamera und ein noch besseres, hochwertiges Objektiv. Dieses lässt sich auf den nächst besseren Kamerabody anbringen und ist immer eine Investition wert. Kaufe sinnvolles zu dir und deiner Fotografie passendes Zubehör.


Damit wäre ich am Ende dieses Themas angelangt. Ich hoffe, dass ich dir interessanten, abwechslungsreichen und lockeren Lesestoff geboten habe und dass du etwas mitnehmen konntest. Bis zum nächsten mal - ich würde mich freuen, dich als Leser hier wieder anzutreffen.