13. JANUAR 2022 | POSTED BY STEFAN RÜEDI

FOTOGRAFIE - DIE BLENDE


Schärfeleistung vs. Schärfentiefe.

Ciao, Grüezi, Hoi und Allegra zum Thema - Blende. 

 

Ja .. für was ist sie da - die Blende? Also das mechanische Teil - genannt Irisblende, die die Lichtmenge und die Schärfentiefe steuert, wie schon in einem vorhergehenden Thema erwähnt, ist das Eine. Die Blende genannt als Zahl, respektive auch als Lichtstärke bekannt ist das Andere. Man hört oder liest viele Begriffe die im Zusammenhang mit der Blende genannt werden. Da wären z.B. förderliche Blende, kritische Blende, optimale Blende, Schärfentiefe, Tiefenschärfe sweet-spot usw. Apropos ... Schärfentiefe/ Tiefenschärfe; wie heisst's denn nun richtig? Schärfentiefe weil S vor T kommt im Alphabet? Nein - etabliert ist der Begriff Schärfentiefe, wenngleich Tiefenschärfe nicht falsch ist.

 

Zu Beginn möchte ich kurz auf eine Gegebenheit eingehen. In Anbetracht dessen, dass man immer wieder über verschiedene Medienkanäle vernimmt, dass bei Offenblende (Irisblende) nicht die volle Schärfeleistung (sehr wohl möglich bei technisch sehr hochwertig gefertigten und somit sehr teuren Objektiven) anliegt, weshalb benötige ich diese dann? Nur für die Freistellung des Objektes, dass ich ablichten möchte, also z.B. in der Portraitfotografie? Und dies in nicht voller Schärfe, wie gemunkelt wird?

Die Antwort liegt in der Zeit der analogen Fotografie verborgen. In diesen Zeiten benötigte man die Offenblende, um ein so helles Sucherbild wie möglich hinzubekommen, damit der Fotograf die Schärfe richtig einstellen konnte; danach blendete man wieder ab. P.S. - das kann man selbst heute noch genauso machen. Bei Offenblende treten Objektivfehler oder Abbildungsfehler am markantesten auf. Gemeint sind da z.B. mangelnder Kontrast oder Vignettierungen und eben die verminderte Allgemeinschärfe.

 

Die kritische Blende

 

Als sog. kritische Blende wird die Blendenzahl angesehen, die das höchste Auflösungsvermögen (Schärfeleistung) angibt, bevor die Schärfeleistung wieder abnimmt. Die beste Gesamtabbildungsleistung, erreichten früher - wie heute - die sehr guten Objektive erst bei der Abblendung um 2 bis max. 3 Lichtwerte und bei weniger guten Objektiven bei Abblendung, um bis zu 5 Lichtwerte; d.h. ein Objektiv für Vollformat mit einem Kamerasensor von rund 46MP, Offenblende f/2.8 wird die beste Schärfeleistung bei etwa Blende f/5.6 und f/8 erreichen. Man muss aber diese Gegebenheiten immer auch in Abhängigkeit zum Sensor betrachten (MFT, APS-C, Vollformat), das ist ganz wichtig! In der Regel haben Objektive in der Mitte (Kernschärfe) eine sehr hohe respektive eine sehr gute Auflösung. Gegen den Rand wird aber in der Regel aber immer ein Detailverlust vorhanden sein. Darum wird eigentlich abgeblendet, um den fast unmerklich "unschärferen" Aussenbereich des Objektivs nicht zu nutzen.

Selbst wenn man liest, dass es offenblendtaugliche Objektive (die Teuren) gibt, ist das relativ zu betrachten. Aberrationen also Abbildungsfehler, gibt es immer, auch bei diesen Objektiven - nur treten diese Fehler bei Offenblende nicht deutlich hervor, sind also eher mess- statt von blossem Auge sichtbar. Anhand eines einfachen aber vor allem praktischen fotografischen Ablaufs, kannst du für jedes deiner Objektive und abgestimmt auf den Sensor deiner Kamera, eine Tabelle erstellen mit kritischer und mit förderlicher Blende. Also den Bereich in dem du deine Blende, abgestimmt für jedes deiner Objektive, nutzen solltest.

 

Dazu nenne ich dir gerne das Super Beispiel der RAW Akademie.

 

Folgende Grafik zeigt die heute gültige Blendenreihe, damit du anhand des Beispiels der RAW Akademie die Schärfeleistung deines(r) Objektiv(e) "prüfen" kannst. Nimm dazu die ganzen Blendenwerte.

 

Kommen wir zur Beugungsunschärfe, um dann zum Begriff "förderliche Blende" überzuleiten. Die Beugungsunschärfe in Zusammenhang mit der Blende, streife ich kurz. Ein ewiges Thema, dass auf allen Medienkanälen, Fotoforen diskutiert, erklärt und verkompliziert wird. 

Da ich hier keine Lehrschrift erstelle und dazu auch gar nicht in der Lage wäre; nur soviel zusammengefasst zum Thema - die Beugungsunschärfe bei einem Vollformatsensor mit rund 46MP tritt irgendwo ab Blende f/8 ein. Ab circa Blende f/11 ist diese zu bemerken und mit mehr als maximal Blende f/13 sollte man im Normalfall nicht fotografieren müssen, da dann die Unschärfe deutlich eintritt, respektive die Gesamtabbildungsleistung abnimmt. Bei den APS-C Sensoren mit rund 24MP erstreckt sich dieser Bereich von etwa Blende 7,1 bis maximal Blende 16. Man kann dies global so im Raum stehen lassen.

Die Beugungsunschärfe ist zwar nicht abhängig von der Brennweite aber von der Anzahl Pixel auf dem Sensor (ein Sensor, 36x24 mit 24MP hat grössere Pixel als ein Sensor gleicher Ausdehnung mit 45.7MP) und auch der Signalverarbeitungsabstimmung der Kamera (eher soft oder aggressiv) - soweit klar. 

 

Der Effekt der Beugungsunschärfe tritt ein, je mehr ich die Blende schliesse. Dann werden die Lichtwellen an der Blende gestört, wie Wasserwellen, die vom offenen Meer geradewegs in Richtung Land ziehen und an die Hafenmauerdurchfahrt links und rechts treffen.

Je mehr Schärfentiefe ich mit abblenden erreichen möchte, desto mehr Störungen entstehen und desto weniger Gesamtschärfe erreiche ich. Über alles gesehen ist ein Bild, mit, sagen wir Blende 22 aufgenommen, im Gesamteindruck unscharf - matschig.

 

Die förderliche Blende

 

Die optimale Blende oder förderliche Blende als Kompromiss zwischen bester Abbildungsleistung und Eintritt der Beugung liegt bei einem Vollformatsensor mit rund 46MP irgendwo um Blende 8 (nochmals zur Erinnerung: Man muss diese Gegebenheiten immer in Abhängigkeit zum Sensor betrachten (MFT, APS-C, Vollformat), das ist ganz wichtig!)

Einen genauen und verlässlichen Wert kann ich nicht angeben. Man muss sich einfach bewusst sein - entweder Schärfeleistung oder Schärfentiefe - beides zusammen geht nicht - es bleibt nur der Kompromiss.

Fazit

 

Nur die Blende zu schliessen, ist nach den erwähnten Nachteilen der Beugung und dem daraus resultierenden merklichen Schärfeverlust folglich keine anzustrebende Lösung - vor allem in der Landschaftsfotografie. Die Lichtmengenreduktion bewerkstellige ich sehr viel besser mit dem Einsatz von einem oder mehreren GND Filtern (hintereinander), dann kann ich auch weiterhin mit einer akzeptablen Blende arbeiten. Ab der kritischen Blende nimmt die Schärfeleitung überall im Bild ab, während nach der förderlichen Blende auch die Schärfentiefe abnimmt. 

 

Mit dem nachfolgenden Rechner von Photopills kannst du selbst berechnen, ab wann bei deiner Kamera die Beugungsunschärfe eintritt. Du braucht nur den Kameratyp und die Megapixelanzahl aus der Liste auszuwählen. Der Wert bei "Diffraction may become visible" gibt dir an, ab wann die Beugungsunschärfe sichtbar wird. Der Wert in der ersten Tabelle gibt die 100% Bildschirmansicht an, der Wert in der zweiten Tabelle steht für den Druck.

 

Bei Bedarf kannst du beim Auswahlfeld rechts neben “Aperture” noch die Blende eingeben, die du nutzen willst und dann unter “Diffraction Limited for f/xx” sehen, ob bei der ausgewählten Blende schon Beugungsunschärfe auftritt.

Merke: jede Änderung der Blende um einen Schritt (vollen Wert) halbiert bzw. verdoppelt die Lichtmenge. Konkret heisst das; das Schliessen von Blende f/2 auf Blende f/2.8 halbiert die Lichtmenge und das Öffnen der Blende von f/16 auf f/11 verdoppelt die Lichtmenge.


Damit wäre ich am Ende dieses Thema angelangt. Ich hoffe, dass ich dir interessanten, abwechslungsreichen und lockeren Lesestoff geboten habe und dass du etwas mitnehmen konntest. Bis zum nächsten mal - ich würde mich freuen dich als Leser wieder hier anzutreffen.