01. Januar 2021 | POSTED BY STEFAN RÜEDI | Lesezeit ca. 10min.

FOTOGRAFIE - DAS BELICHTUNGSDREIECK


EIN KLEINER ANSATZ UM DAS WISSEN DES BELICHTUNGSDREIECKS.

Ciao, Grüezi, Hoi und Allegra zum Thema - Das Belichtungsdreieck.

 

Wer sich von der Aussage leiten lässt, dass ein Profifotograf derjenige ist, der nur und ausschliesslich im manuellen Modus arbeitet und deshalb den Umgang mit einer richtig guten Kamera scheut, kann sich seiner Bedenken entledigen. Auch Profis arbeiten nicht nur ausschliesslich im manuellen Modus. Ich spreche nicht vom fotografieren lernen, sondern, dann wenn du das Belichtungsdreieck theoretisch und praktisch verstanden hast. Ich spreche vom alltäglichen fotografieren mit Tageslicht. Es gibt Situationen in denen es zielführender ist, einen halbautomatischen Modus zu nutzen und die kommen häufiger vor als gedacht und sind häufiger da als die Ausnahmen. Ich meine damit nicht, dass man alles der Technik überlassen muss aber man kann sich das Beste je nach Einsatzbereich davon zu Nutze machen. Ich habe die Modi in einem vorherigen Blog bereits behandelt. Es ist wichtig, zu verstehen wie die Beziehung der Faktoren zueinander ist, weshalb ich dir hier das Belichtungsdreieck näher bringen will. Dann kannst du für dich auch bestimmen, wann welcher Modus sinnvoll ist und mit welchem Parameter sich was beeinflussen lässt.

Dasselbe gilt meiner Meinung nach für die Fokussierung. Auch der Profi wird nur in Ausnahmefällen den Fokus manuell setzen. Ansonsten überlässt man die Fokussierung besser der Technik. Diese ist in der täglichen Fotografie weit genauer und schneller.

Entscheiden musst du das für dich. Ich schreibe hier nur meine Eindrücke und Erfahrungen nieder. Du musst entscheiden, ob du alles selbst einstellen möchtest vom Weissabgleich über Blende, Zeit, ISO, Fokus oder ob du bereit bist das Beste aus der Technik und deiner Kreativität herauszuholen; sprich jedem sein Ding zu überlassen.

 

Gerade in der Landschaftsfotografie besticht der A-Modus mit seiner Überlegenheit, wie ich schon im vorhergehenden Blog - die Modi - erwähnt habe.

 

Führe dir das Belichtungsdreieck in einer ruhigen Minute einmal zu Gemüte, um den manuellen Modus, respektive die Abhängigkeiten der Parameter zu einander zu entdecken und. Die Grafik und die Beschreibung dazu hilft dir bestimmt, die Beziehungen von BlendeISO und Verschlusszeit zu verstehen. 

Die Verschlusszeit, die ISO-Einstellung sowie die Blende sind voneinander abhängig, sprich die Belichtung der Aufnahme setzt sich aus allen drei Faktoren zusammen. Jeder einzelne Parameter beeinflusst auf seine Weise die Belichtung und definiert sich wie folgt:

 

- Je höher die ISO (der ISO Wert), desto empfindlicher reagiert der Sensor auf Licht und umgekehrt (sagt der Volksmund) - je höher der ISO Wert bzw. die Sensorempfindlichkeit, desto mehr Bildrauschen entsteht leider aber auch. Lässt sich also keine für dich annehmbare Verschlusszeit realisieren, weil es zu dunkel ist, erhöhe die Empfindlichkeit des Sensors, respektive verstelle den ISO Wert von z.B. 64 ISO auf 1250 ISO. Wenn du diesen Wert verstellst, brauchst du die andern Parameter nicht anzupassen. (Wie schon im vorherigen Blogbeitrag bemerkt: sind wir ehrlich, was macht denn die Kamera mit der ISO Einstellung die ich vornehme? Ändert sich tatsächlich die Empfindlichkeit des Sensors oder verändere ich einen Wert der die kamerainterne Bildentwicklung beeinflusst? (Darüber spricht nur niemand)

 

- Je offener die Blende, desto mehr Licht kann zum Sensor gelangen und umgekehrt - die Blende ist mitbestimmend für die Schärfentiefe und somit ein wichtiger Faktor der Kreativität; Öffnest du die Blende komplett, dann ist die Schärfentiefe äusserst gering, respektive kaum vorhanden und du kannst dein Motiv vom Hintergrund freistellen. Schliesst du die Blende, erhöht sich die Schärfentiefe durchs ganze Bild von vorne bis hinten. Die eintretende Beugungsunschärfe lasse ich bewusst noch weg. Über dieses Thema gehe ich in einem nachfolgenden Blog ein.

 

- Je länger die Verschlusszeit, desto höher ist die Menge an Licht, die zum Sensor in einer bestimmten Zeit t gelangt und umgekehrt - und, je länger die Verschlusszeit, desto eher muss ein Stativ verwendet werden. Eine weitere Gegebenheit einer längeren Verschlusszeit (Belichtungszeiten von 1min, 2min, .. 18min und mehr) ist, dass Hotpixels durch die Erwärmung des Bayer-Sensors entstehen können, welche auf dem fertigen Bild als helle Punkte zu sehen sind. Diese Punkte können in der Nachbearbeitung aber entfernt werden. Denke daran; sollte die Verschlusszeit sehr lange ausfallen, nutze ein Stativ. Mit modernsten und vollstabilisierten (5-achs Stabilisierung) spiegellosen Kameras kann man teilweise, und das bei sehr ruhiger Hand, Bilder bis 4sek Verschlusszeit aus der Hand schiessen.

 

Aus der Grafik kannst du entnehmen, dass es entscheidend ist, welcher Parameter für deine Aufnahme, Priorität geniesst. Welcher Parameter ist für DEIN Bild, JETZT wichtig. Möchtest du fliessendes Wasser weich ablichten oder in der Bewegung zum Stillstand bringen, respektive einfrieren? Dann musst du der Verschlusszeit deine Aufmerksamkeit schenken - bevorzugt im S- oder M-Modus - und die andern Faktoren daran anpassen.

Hast du viel oder wenig Licht zu Verfügung, um dein Bild einigermassen ausgewogen belichten zu können? Möchtest du bewusst ein körniges Bild aufnehmen für den besonderen Look? Dann solltest du dich primär mit dem ISO Wert auseinander setzen und wiederum die andern Parameter nach deiner Priorität richten.

 

Du musst dich für einen Parameter, der dir ohne Kompromisse für deine Bildgestaltung wichtig ist, festlegen und die anderen Parameter anpassen (M-Modus) oder anpassen lassen (S-Modus oder A-Modus), um eine korrekte, ausgewogene oder deinen Vorstellungen angepasste Belichtung zu erhalten. Um die Belichtung ablesen zu können, bietet dir deine Kamera die Belichtungswaage. Um das Bild über den ganzen Umfang beurteilen zu können, bieten dir viele Kameras zusätzlich die Möglichkeit das Histogramm einzublenden und anhand der Grafik die Belichtung deines Bildes anzupassen. Bei manchen Kameras kann das Histogramm gar in den Tonwerten gesplittet angezeigt werden.


Das Histogramm kann während der Aufnahme angezeigt werden, bei einigen Kameratypen live, bei andern erst nach der gemachten Aufnahmen.  Der Graph zeigt, wie sich die Tonwerte von hell und dunkel über das Bild verteilen. Links werden die dunklen Tonwerte angezeigt und rechts die Hellen. Kann man der Grafik (der Berg) entnehmen, dass diese linkslastig ist, zeigt dies eine Unterbelichtung und wenn diese rechtslastig ist, eine Überbelichtung.

 

Gerade im M-Modus musst du die Einstellungen für jedes neue Motiv natürlich erneut anpassen, da dein Motiv sonst unter- oder überbelichtet sein könnte. Möchtest du ein Panorama aufnehmen, ist es fast zwingend im M-Modus zu fotografieren, da sich in einem halbautomatischen Modus bei jeder neuen Aufnahme ein Faktor verändern kann und jedes gemachte Bild minimale Unterschiede zum vorhergehenden aufweisen kann, weil die Kamera die frei wählbaren Parameter an deinem gesetzten Parameter anpassen wird. Beim Zusammensetzen in der softwarebasierten Nachbearbeitung der einzelnen Bilder zu einem Panorama, können die Unterschiede dann deutlich in Farb- oder Belichtungsdifferenzen sichtbar werden.

Wie in meinem Blogthema - die Modi - beschrieben,  erhältst du mit dem M-Modus die volle Kontrolle über alle Faktoren mit denen du deine Aufnahme beeinflussen kannst. Gerade in schwierigen Lichtsituationen wie z.B. einem hellen oder dunklen Motiv vor einem sehr hellen Hintergrund oder Aufnahmen mit Blitz, bei Langzeitbelichtungen über 30sek. oder bei Astrofotografien etc., ist es ratsam oder fast ein Muss, den M-Modus zu nutzen. Da deine Kamera in der Regel in den halbautomatischen Modi immer versucht ein ausgewogenes Bild entstehen zu lassen, können Probleme entstehen. Die Kamera wird versuchen die Tonwerte auf ein neutrales grau auszumitteln, was dann dazu führen kann, dass die hellen Bereiche zu hell und dunklere Bereiche zu schwarz aufgenommen werden. 

 

Ein weiterer Wert der in die Belichtung mit einbezogen werden kann, ist die Belichtungskorrektur. Die Korrektur kann einfach über einen Knopf und dem dazu gekoppelten Wählrad eingestellt werden. Halte dazu die Taste [+/-] gedrückt und drehe gleichzeitig am entsprechenden Wählrad. Es lassen sich meist Korrekturen in einem Bereich von minus 5 Lichtwerten (-5LW) und plus 5 Lichtwerten (+5LW)  in 1/3 Schritten einstellen. Beachte aber - in den halbautomatischen Modi (z.B. A und S) wirkt sich eine Änderung an der Belichtungskorrektur immer auf den freien Parameter aus, was heisst, dass die Kamera den freien Parameter, je nach Modus, deiner Änderung anpassen wird. Anders ist dies im M-Modus. Da du in diesem Modus alle Parameter selbst einstellen musst, nimmt die Belichtungskorrektur keinen Einfluss auf einen andern Parameter.

 

Probier die Modi mal aus und verstelle, je nach Modus, Blende, Zeit und nimm Änderungen an der Belichtungskorrektur vor. Mit der Praxis wirst du sehen wie sich die Parameter in Beziehung zum Belichtungsdreieck verhalten.


Damit wäre ich am Ende dieses Thema angelangt. Ich hoffe, dass ich dir interessanten, abwechslungsreichen und lockeren Lesestoff geboten habe und dass du etwas mitnehmen konntest. Bis zum nächsten mal - ich würde mich freuen, dich als Leser hier wieder anzutreffen.